Wollin - die Stadt Wollin

Wurde die Stadt Wollin (auf der Insel Wollin) auf den Trümmern jener sagenhaften, vom Meer verschlungenen Stadt Vineta erbaut? Es gibt eine Reihe seriöser Wissenschaftler, welche die ehemalige, unvorstellbar reiche Wenden- oder Wikingersiedlung Vineta auf die Stadt Julin (auch Jomsburg, später Wollin) auf der Insel Wollin beziehen. Grabungen in Wollin haben die Reste einer Stadt aus dem 11.Jahrhundert zutage gefördert, die nach Überlieferungen im 12.Jh. zerstört wurde. Reste slawischer Tempel wurden gefunden, mehr als 90 kg Bernstein (teils bearbeitet),  eine Statuette des slawischen Gottes Swantewit und weiteres überaus reichhaltiges Material. Vor 1000 Jahren  hatte für Chronisten wie den Hamburger Kirchenhistoriker Adam von Bremen die Stadt Vineta (an der Mündung der Oder gelegen) ihre Blütezeit gehabt. Den von  von Goldmann und Wermusch ins Gespräch gebrachten Verlauf der Peene in Richtung Barther Bodden gab es dagegen sehr wahrscheinlich 10.000 Jahre vor der Zeitenwende. Barth ist damit wohl aus dem Rennen, denn Vineta existierte zu dieser Zeit noch gar nicht!
  Erwähnung verdient auch die Tatsache, dass im Jahre 2004 bei der Stadt Wollin ein etwa 2000 Jahre altes germanisches Grab entdeckt wurde.
 Das heutige Wollin mit seinen 5000 Einwohnern (1875 - 5.222 Einwohner , 1880 -  5.506 Einwohner, 1933 - 4.943 Einwohner, 1939 - 4.807 Einwohner)  lässt den Besucher nur auf dem ersten Blick daran zweifeln, dass hier tatsächlich eine der größten Städte existierte, "die es in Europa gibt", wie Adam von Bremen schrieb. Damals zählte der Ort mehr als doppelt so viel Einwohner wie heute.
Bei der Christianisierung der Pommern spielte Wollin vor Usedom eine wichtige Rolle. Der Bischofssitz war zunächst in Wollin, dann in Usedom und später  wegen der vielen dänischen Überfälle in Cammin.  Dieses Bistum umfasste seinerzeit den größten Teil Pommerns sowie die Uckermark und die Neumark und reichte bis nach Güstrow (Mecklenburg). Im 13. Jahrhundert war Wollin eine Hansestadt.
 Wollin ist auch die Stadt des pommerschen Reformators Bugenhagen. Bugenhagen (1485 bis 1558) war seit 1522 verheiratet, seit 1523 Pfarrer an der Wittenberger Stadtkirche und damit der Beichtvater Luthers und mit Luther und Melanchthon eng und freundschaftlich verbunden. Er wurde neben seinen pfarramtlichen Aufgaben und seiner Lehrtätigkeit von Städten, Fürsten und Königen zum Aufbau des neuen evangelischen Kirchenwesens herangezogen. Er ordnete das Kirchenwesen in: Braunschweig 1528, Hamburg 1528/29, Lübeck 1530/32, Pommern 1535, Dänemark 1537/39, Hildesheim und Wolfenbüttel 1542 und verfasst die Kirchenordnungen. Wegen seiner Herkunft aus P. und seiner Verdienste für Pommern wurde Bugenhagen der Titel »Doktor Pomeranus« verliehen.
Die Stadt Wollin kann man über die  Dievenow (aus Richtung Stettin kommend) mit dem Auto und mit dem Zug erreichen. Von der Insel Usedom fährt man über Swinemünde, überquert die Swine und kann dann mit dem Zug oder auf einer relativ guten Straße nach Wollin fahren. E.R.